Sie sind hier: Begriffserklärungen
Zurück zu: Service
Allgemein: Impressum Haftungsausschluss Kontakt Sitemap Webmaster Warnungen

Suchen nach:

Kamineffekt

Der Kamineffekt ist eine physikalische Erscheinung, die eine durch eine Wärmequelle (beispielsweise ein Feuer) verursachte, nach oben gerichtete selbstverstärkende warme Luftströmung beschreibt. Benannt ist er nach dem Kamin, wo auf die Art und Weise die Rauchgase nach oben (außen) durch den Schornstein transportiert und unten (im Inneren des Hauses) der Feuerstelle frische Luft zugeführt wird. Da die warme Luft nach außen strömt, kann sie nicht in das Innere des Gebäudes gelangen.

Der eigentliche Kamineffekt beruht auf Wärmeströmung; warme Luft über einem Feuer steigt auf und zieht beispielsweise durch ein offenes Fenster ab. Dadurch entsteht ein Unterdruck, welcher durch ein Nachströmen von Luft ausgeglichen wird. Diese Frischluft enthält mehr Sauerstoff, welcher das Feuer weiter anfacht. Dadurch steigt die Brandtemperatur, mehr Luft wird erwärmt und steigt auf; es kommt zu einer positiven Rückkopplung und das Feuer wird angefacht.

Der Kamineffekt kann im Brandfall fatale Folgen wie eine intensive Brandausbreitung, sowie den Verlust von Menschenleben nach sich ziehen; er kann jedoch auch die Rettung von Menschenleben in bestimmten Situationen erleichtern.

Kamineffekte im größeren Maßstab, beispielsweise bei Waldbränden können gewaltige Ausmaße annehmen, dann spricht man von einem Feuersturm.

Taktische Maßnahmen

Bei der Vielzahl von Einsatzsituationen ist es nicht möglich ein Taktikschema vorzulegen, welches für alle Einsatzsituationen gilt. Kamineffekte sind in der Regel an bauliche Voraussetzungen gebunden. Das heißt, dass mit dieser physikalischen Erscheinung bei Bränden in Mehrfamilien- und Hochhäusern bis 10 Etagen, großen Gebäudekomplexen, Kirchen, Türmen, Industriebereichen, Siloanlagen sowie Tunnelanlagen zu rechnen ist. Sicherheitstreppenhäuser, selbstschließende Brandschutztüren oder Sprinkleranlagen verhindern oder begrenzen einen Kamineffekt.

[Abbildung] Diese Einsatzsituation ist bei vielen realen Wohnungsbränden in Mehrfamilien- oder Hochhäusern zu finden. (Brand einer Wohnung oder eines Zimmers in voller Ausdehnung. Wohnungstür offen, Treppenhaus verraucht. Personen versuchen durch das verrauchte Treppenhaus das Gebäude zu verlassen.)
[Abbildung] Wenn in dieser Situation die Rauchklappen geöffnet werden, kann ein Kamineffekt entstehen, der extrem heiße Rauch- und Pyrolysegase durch das Treppenhaus drückt. Dies kann unter Umständen zu einer massiven Brandausbreitung führen. Für Personen im Treppenhaus bringt diese physikalische Erscheinung mit Sicherheit den Tod.
[Abbildung] Das Öffnen von Rauchklappen ist erst sinnvoll, wenn die Brandbekämpfung (Innenangriff) aufgenommen wurde bzw. wenn die Flammen niedergeschlagen sind. Personen im Treppenhaus können in der Erstphase des Einsatzes nur durch Trupps unter Atemschutz gerettet werden.

Bei der Auswertung von Einsätzen, bei denen Kamineffekte aufgetreten sind, wurde deutlich, dass Kamineffekte, die immer in Phase des Vollbrandes entstehen, nicht durch Außenangriffe zu verhindern sind. Weiterhin wurde festgestellt, dass die Zufuhr von Frischluft bei einem Kamineffekt in der Regel nicht verhindert oder vermindert werden kann. Das heißt, dass taktische Maßnahmen dazu dienen sollen, dass derartige Erscheinungen im Vorfeld verhindert werden.

nach oben