Torgauer Zeitung - 29.11.2007

Wasser, Funkenflug und Blitzschlag

Landkreis (TZ)

Große Brände, komplizierte Rettungsaktionen, schwierige Hilfeleistungen erforderten ihren vollen Einsatz. Es begann in der Nacht zum 16. Januar 1957: Bei strenger Kälte und zugefrorenen Wasserentnahmestellen brannte die in einer großen Baracke in Beckwitz untergekommene Produktionsstätte der späteren Torgauer Schuhfabrik restlos nieder. Alle Maschinen, das kostbare Rohmaterial und 700 Paar neue Lederschuhe wurden vom Feuer vernichtet. Damals ein spürbarer Verlust. Nur fünf Tage später zerstörten die Flammen den "Bürgergarten" im Röhrweg in Torgau. Die Leichtbauweise des Gebäudes hatte die schnelle Ausbreitung des Brandes begünstigt. Am 12. Februar gelang es, zwei in einer brennenden Wohnung in der Wittenberger Straße 19 eingeschlossene Kinder vor dem Erstickungstod zu retten. Auf der Baustelle des ehemaligen VEB Alfred Holzweißig an der Eilenburger Straße mussten die Feuerwehrleute am Morgen des 6. März eine brennende Baracke löschen. Im gleichen Monat wurden zwei Menschen unter einem einstürzenden Hausgiebel am Weinberg in Dommitzsch verschüttet. Sie konnten nur noch tot geborgen werden.

Die Tongruben wurden am 24. März vom plötzlichen Wassereinbruch gefüllt, dieser überflutete die in der Grube eingesetzten Bagger und Maschinen. Die Produktion der Ziegelei kam zum Erliegen. Mit Sandsäcken, Bohlen und Erdreich dichteten die im kalten Wasser arbeitenden Feuerwehrleute die Einbruchstelle ab. 14 Löschgruppen waren mit ihren Pumpen danach 30 Stunden im Einsatz, um die Grube vom Wasser zu befreien. Im Monat Mai mussten viele Waldbrände gelöscht werden. Ein großer Brand wütete am 15. Juni 1957 in der Mühle Schurig in Stehla. Hilfe erhielt die Ortsfeuerwehr von der Feuerwehr Torgau und weiteren sieben Nachbarwehren. Die Gefahr einer Mehlstaubexplosion konnte rechtzeitig gebannt werden. Ein heiß gelaufenes Lager hatte zur Zündung geführt. Nur einen Tag später finden wir die Kameraden von Torgau als Helfer bei der Bekämpfung eines Brandes im Sägewerk Kanitz bei Dommitzsch. Vom Maschinenhaus aus drohte Gefahr für die angrenzenden Gebäude und für das aus dem Lagerplatz liegende Holz. Reich an Entstehungsbränden in Kohlehalden, auf Feldern und in Wäldern war der Monat Juni 1957. Am 19. Juni brannte schließlich der Stall bei Lutzmann in Welsau, und am 13. August führte ein vergessenes Bügeleisen bei Wötzel in Zinna zum Wohnungs- und Dachstuhlbrand.

Die Brandkatastrophe in Weidenhain übertraf jedoch alle Brände des Jahres 1957. Am Nachmittag des 12. September hatte ein Geistesgestörter die Hofscheune Kunze in Brand gesetzt. Bei starkem Wind erfasste das Feuer sehr schnell die im Garten stehende Feldscheune und das an die Hofscheune angrenzende Seitengebäude von Kunze. Bald trug der Wind die Funken in das Wohnhaus und den Stall von Hauser. Auch sie brannten nieder. Die in großer Zahl eintreffenden Feuerwehren mussten das nötige Löschwasser über eine lange Strecke zu den brennenden Gebäuden fördern. Sie konnten sich nur auf den Schutz der noch nicht vom Feuer erfassten Bauwerke konzentrieren. Bis zu 200 Meter Entfernung waren die Gebäude einem verheerenden Funkensturm ausgesetzt. Mühe hatten die Einwohner, um die neu entstehenden Brände rechtzeitig zu löschen. Drei Brände wären noch zu nennen. Blitzeinschläge zündeten am 16. September eine Scheune und einen Stall in Neiden sowie einen Stall in Langenreichenbach. Die Serie der Brandstiftungen in Ammelgoßwitz fand am 7. Oktober, dem einstigen Staatsfeiertag der DDR, mit der Inbrandsetzung des großen Rinderstalls der LPG seine Fortsetzung. Bei den Löscharbeiten erlitten zwei Kameraden Verletzungen.

Hans-Joachim Füssel


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