Textversion
Textversion

Impressum Haftungsausschluss Kontakt Sitemap Webmaster Warnungen

Druckbare Version

Gedicht 20

Wünsche eines Feuerwehrmanns

Ich wünschte, Du könntest verstehen, wie es ist, am Morgen zur Arbeit zu gehen,
nachdem Du den Großteil der Nacht bei einem Großfeuer verbracht hast, in dem etliche Tiere verbrannt sind.

Ich wünschte, Du könntest den Kummer des Geschäftsmannes oder des Landwirtes sehen, als seine Fabrik oder sein Bauernhof in Flammen aufging.

Ich wünschte, Du konntest fühlen, wie es ist, in einem brennenden Schlafzimmer nach eingeschlossenen Kindern zu suchen.

Ich wünschte, Du gönntest einmal dabei sein, wenn der Notarzt das fünf Jahre alte Mädchen für tot erklärt, nachdem wir zuvor 25 lange Minuten versucht hatten, es am Leben zu erhalten.

Ich wünschte, Du könntest nach dem Unfall die Eltern sehen, wenn ich mit einem Polizisten vor der Tür stehe - und wir halten die Mützen in der Hand.

Ich wünschte, Du hättest einmal das Gefühl, wie es ist, wenn man nach Hause kommt und seine Frau begrüßt, man aber nicht den Mut aufbringt, ihr zu sagen, daß man beinnahe von diesem Einsatz nicht zurückgekommen wäre.

Ich wünschte, Du könntest Dir die physische, emotionale und mentale Belastung mit all den damit verbundenen Tragödien vorstellen, Bilder, die meine Augen gesehen haben und in meiner Seele fest eingebrannt sind.

Ich wünschte, Du könntest dabei sein, wenn ein kleiner Junge nach einem Jahr Klinikaufenthalt kommt und sich für seine Rettung bedankt.

Ich wünschte, Du könntest die Befriedigung erleben, ein Leben gerettet oder Eigentum geschützt zu haben.

Solange Du dieses Leben nicht durchgemacht hast, wirst Du niemals wirklich verstehen oder einschätzen können, wer und was wir sind oder was uns diese Arbeit wirklich bedeutet.

Und doch: Wir Mitglieder in den Feuerwehren sind nichts Besonderes. Aber wenn Du uns brauchst, dann kommen wir - auch zu Dir!

Quelle: Festschrift der Freiwilligen Feuerwehr Emlichheim zum 100-jährigen Bestehen

nach oben